DDM-Pegel und Schwellwerte in der Praxis
DDM/DOM ist das wichtigste Diagnosewerkzeug für einen optischen Link — und es hat bekannte Grenzen, die immer wieder zu Fehleinschätzungen führen. Wer sie kennt, macht aus „die Werte sehen gut aus“ eine echte Diagnose.
Woher die Schwellwerte kommen
Die High-/Low-Schwellwerte für Alarm und Warning werden vom Modulhersteller in das EEPROM des Moduls programmiert (der A2h-Block bei Modulen der SFP-Klasse, gemäß SFF-8472). Der Switch liest sie nur aus und vergleicht damit. Ein Modul mit großzügigen Schwellwerten löst auf einem tatsächlich grenzwertigen Link niemals einen Alarm aus.
Rx ist real, Tx oft nicht
- Rx-Leistung ist eine echte Messung des am Empfänger ankommenden Lichts.
- Tx-Leistung ist bei vielen preisgünstigen Modulen eine fest im Speicher hinterlegte Konstante oder wird schlicht als n/a gemeldet. Einen konstanten Tx-Wert nicht als Beweis dafür werten, dass der Laser in Ordnung ist.
„Im Bereich“ heißt nicht „gesund“
Ein Lehrbuchfall: Eine 30-km-Dark-Fibre-Strecke, betrieben mit für 10 km ausgelegter Optik, lief ein Jahr lang ohne einen einzigen DDM-Alarm — während sie die ganze Zeit still und leise Pakete verlor. Der Empfänger arbeitete am Rand seiner Empfindlichkeit; die Schwellwerte waren schlicht nicht dort gesetzt, wo das Problem lag.
Die Werte lesen
- Je negativer der dBm-Wert, desto schwächer das Signal: −20 dBm ist deutlich schwächer als −5 dBm.
- Asymmetrie ist ein Hinweis. Ist Rx an einem Ende niedrig, am anderen Ende der gleichen Faser aber normal, liegt das Problem an einem Modul oder an der Steckerreinheit auf der schwachen Seite — nicht an der Strecke.
- Mit dem Installationsprotokoll vergleichen: Tx/Rx beim ersten Hochfahren des Links notiert, idealerweise zusammen mit einer OTDR-Messkurve.
Befehle nach Plattform
| Plattform | Befehl |
|---|---|
| Cisco IOS / IOS-XE | show interfaces <if> transceiver detail |
| Juniper Junos | show interfaces diagnostics optics <if> |
| Arista EOS | show interfaces <if> transceiver detail |
| Huawei VRP | display interface transceiver <if> brief |
| Linux | ethtool -m <if> |
Überwachen statt nur prüfen
- Optische Werte per SNMP abfragen und grafisch darstellen — eine langsame Abwärtsdrift bei Rx ist Wochen vor einem Ausfall sichtbar. LibreNMS wird häufig als Wahl empfohlen.
- Bei der Installation einen Link-Pass aufzeichnen: Tx/Rx an beiden Enden plus eine OTDR-Messkurve.
- BFD auf wichtigen Links aktivieren, damit eine Verschlechterung in Millisekunden erkannt wird und nicht erst durch Nutzerbeschwerden.
In CodingBox
Der Bildschirm DDM zeigt Live-Werte mit den moduleigenen Alarm-/Warning-Schwellwerten in den Diagrammen, fragt in konfigurierbarem Intervall ab und exportiert das Protokoll als CSV — genau das, was ein „Link-Pass“ auf der Werkbank braucht. Zur Bedeutung der einzelnen Parameter siehe DDM-Grundlagen.
Erwartete Wertebereiche je Modultyp: Typische Werte. Tx und Rx in gemessenen Verlust und Reserve umrechnen: Rx-Leistung & Leistungsbudget. Was die ±3-dB-Genauigkeit und die −40-dBm-Untergrenze wirklich bedeuten: Genauigkeit & Grenzen.